Campendonk-Museum, Penzberg

Aber einen aus dem Kreis des „Blauen Reiters“ gibt es, den wir noch nicht gewürdigt haben und der ganz in der Nähe sein Museum hat: Heinrich Campendonk. Kennt man im Prinzip auch nicht, ist aber zumindest noch bekannter als Ewalds geliebte Marianne. Sein Museum ist in Penzberg, also nichts wie hin.

Das Museum ist für mich von außen jetzt nicht so der Bringer; es besteht aus einem Altbau, dem ein Neubau mit einer dunklen Klinker-Fassade angebaut wurde. Für das, was wahrscheinlich auf diesem engen Platz möglich war, ist es wahrscheinlich dennoch ganz gut gelungen – zumindest für alle Menschen, die dunkle Klinker mögen. Von innen ist es ein verschachteltes Etwas, aber da fand ich es sehr ansprechend.. und es hatte einen Lift!!!!

Es besitzt die weltweit größte Campendonk-Sammlung und praktisch alle Hinterglasbilder, die er gemalt hat. Ich hatte dieser Art zu malen bisher keine große Aufmerksamkeit geschenkt, obwohl gerade die von mir sehr geschätzte Gabriele Münter sehr viele Bilder dieser Art gemalt hat. Aber hier bei Heinrich Campendonk sprachen sie mich am meisten an. Durch diese Technik bekommen die Farben einen ganz intensiven Glanz, und die Farbe ist ja im Expressionismus das stärkste Ausdrucksmittel. Hinterglasbilder zu malen ist – oder mir erscheint es jedenfalls so – schwierig, da man genau andersherum malen muss wie sonst, da das Glas ja zum Schluss dann umgedreht wird. Bei einem normalen Bild malt man zuerst die großen Umrisse und dann die Details, bei einem Hinterglasbild geht es genau andersherum. Sie hatten ein nettes interaktives Spielzeug in diesem Museumssaal. Man konnte auf einem Bildschirm Campendonk`s Hinterglasbilder von vorne und von hinten anklicken und dann damit Memory spielen. Ihr könnt es euch vorstellen?

Es gab noch eine Sonderausstellung: Austin Eddie meets Heinrich Campendonk. Austin Eddie malt modern, hauptsächlich Vögel und Fische, weil sie ihm die besseren Menschen zu sein scheinen, zumindest deuten die Namen seiner Bilder darauf hin. Also ich würde dazu sagen: Das kriege ich auch gerade noch hin. Ihr könnt es euch ja mal im Internet anschauen. Aber selbst ich muss sagen, dass es durchaus interessante Interaktionspunkte zwischen den beiden Malern gibt, die immerhin 100 Jahre auseinander liegen. Und Eddie`s Skulpturen, die haben mir gefallen, die würde ich mir glatt in den Garten stellen.

Danach waren wir noch in der Pfarrkirche. Dort sind zwei Fenster nach Entwürfen von Campendonk realisiert worden. Beide haben mir sehr gut gefallen. Das eine ist ein längliches Fenster über der Orgel, das Campendonk als Teil eines riesigen Fensters für die Nordseite des Kölner Doms entworfen hatte. Dabei wurde er leider krank, so dass das Projekt nicht durchgezogen werden konnte. Es zeigt die Berufung des Jesaya. Leider war es nicht fotografierbar, da die Farben nicht sehr intensiv waren.
Das andere Fenster, was mir noch besser gefallen hat, war in einer kleinen Seitenkapelle. Es zeigt die Passion Christi anhand der Symbole, die dabei eine Rolle spielten. Campendonk hatte es für den niederländischen Pavillon bei der Weltausstellung 1937 entworfen (er war damals Professor in Antwerpen) und es gewann dort den Grand Prix. Das hier in der Pfarrkirche ist eine Reproduktion, das Original ist natürlich in Antwerpen im Museum. Dieses Fenster hat mir eigentlich am allerbesten gefallen. Gleichwohl, dieser Tag hat mir diesen Maler zumindest so nahe gebracht, dass ich bei zukünftigen Ausstellungen auf seine Werke achten werde.