Wohin? Die ewige Frage stellte sich mal wieder kurz vor Fastnacht. Und in unserer Unschlüssigkeit sahen wir die Anzeige: Paula Moderson-Becker trifft Edvard Munck und unterhält sich mit ihm über das Leben – Ausstellung im Albertinum in Dresden. Damit war es entschieden! Weil ich aber nicht mehr so weit in einem Stück fahren will, planten wir eine Übernachtung in Weimar auf der Hinfahrt und auf der Rückfahrt in Bad Hersfeld. Gut, Weimar war klar, da gibt es immer was zu sehen, aber Bad Hersfeld hat den einzigen Vorteil, dass es genau 400 km von Dresden entfernt liegt und wir noch niemals dort waren. Ansonsten…. Überraschung!
Freitag, den 13. Februar Weimar
Mir war beim Buchen ein Hotel aufgefallen: Konsumhotel Dorotheenhof, Doppelzimmer mit Frühstück für 65 Euro. Na, das lässt man sich doch gefallen, auch wenn es etwas außerhalb liegt. Aber als wir es anfuhren, was es uns doch etwas seltsam: die Straße war gepflastert und machte den Anschein, dass seit 300 Jahren kein Mensch mehr was dran gemacht hat. Um uns herum nur Felder, also irgendwie etwas unwirtlich, aber so sieht es ja im Februar meist überall aus. Das Hotel hat uns jedoch aufs positivste überrascht: Freundlicher, schneller Service beim Einchecken, ein riesiges, geschmackvolles Zimmer mit begehbarem Kleiderschrank und Decke und Trinknapf für unsere Mädchen und ein Frühstück vom Feinsten – alles da, was ein Mensch sich denken kann, sogar Honig aus der eigenen Imkerei. Ein netter, kleiner Park rund um das Hotel, viele Parkplätze, einfach alles super. Nach einem kurzen Erholungsschläfchen machten wir uns auf den Weg nach Weimar. Obwohl das Hotel so aussah, als wäre es am Ende der Welt, waren es mal genau 4 Kilometer bis Weimar. Es war schon dunkel, wir fanden problemlos einen Parkplatz und spazierten dann durch kleine Gässchen mit schönen Häusern bis zum Marktplatz, der uns mit dem Rathaus sehr gut gefiel. Dort am Marktplatz fanden wir auch ein schönes spanisches Restaurant, das uns vom Stil her sehr an unsere Zeit in Barcelona erinnerte. Und es gab einen überaus leckeren Tapas-Teller und für mich noch Datteln im Speckmantel und dazu guten Wein – der Tag war perfekt!
Samstag, den 14. Februar Dresden – zwischen Demonstranten und Fußball-Fans
Auf einen perfekten Tag folgte das Chaos. Der Morgen lief noch einigermaßen gut an: das perfekte Frühstücksbüfett wartete auf uns, es kam wirklich fast an das Büfett im Hotel Tiergarten in Berlin heran, nur das Roastbeef fehlte noch! Aber lecker ohne Ende – und wie gesagt: 65 Euro für zwei Menschen! Der Tag war jedoch neblig, aber dem Schloss und dem Unesco-gekrönten Ilmpark mussten wir uns dann doch zumindest kurzfristig auf einem Spaziergang zuwenden.
Danach fuhren wir auf die Autobahn Richtung Dresden – knappe 200 Kilometer warteten auf uns. Da erreichte mich die Nachricht vom Hotel, dass mehrere rechte Demonstrationen und entsprechende Gegendemonstrationen aufgrund des 81. Jahrestages der Zerstörung Dresdens erwartet wurden und deshalb die gesamte Altstadt für den Verkehr gesperrt wäre …. wir also unser Hotel nicht mit dem Auto erreichen könnten. Ewald bekam sofort wieder Angstzuständen und sah uns schon in wilde Schlägereien mit rechten Ultras verwickelt, ich war eher der Meinung: Schauen wir uns doch einfach mal an, wie weit wir kommen und entscheiden dann. Nun gut, die gesamte Altstadt war wirklich nicht mit dem Auto zu erreichen plus alle Parkplätze in der Nähe waren gesperrt. Aber die Straßenbahn fuhr!!! Wir parkten also auf einem Parkplatz weitab vom Schuss und wollten Straßenbahn fahren. Aber zuerst mussten wir den natürlich nur mit App zu bedienenden Parkautomaten uns gefügig machen – und es war natürlich nicht die App, die wir letzte Woche gerade für Wiesbaden heruntergeladen hatten!!!Also im inzwischen aufgekommenen Schneeregen erst einmal die App runterladen, dann die ganzen Gelddinge eingeben… ich weiß, ich weiß: der erfahrene Handy-Benutzer macht das so zwischen Tür und Angel – aber wir nicht. Wir brauchen unsere Zeit – auch im Schneeregen. Unter Ewalds beruhigendem Zureden schaffte ich es schließlich – wir schrammten wieder einmal kurz an der Ehescheidung vorbei! Ich bin in solchen Situationen wirklich kaum zu ertragen! Wir bepackten uns mit allem, was unbedingt nötig war – und das war ziemlich viel. Der Weg zur Straßenbahn war nur kurz, aber dann standen wir dem Fahrschein-Automaten gegenüber, dessen Scheibe blind blieb und uns wirklich keine Möglichkeit bot, einen Fahrschein zu erstehen. Der junge Mann, der uns interessiert musterte, meinte sehr hilfreich: für die drei Stationen würde sich ein Fahrschein sowieso nicht lohnen und außerdem käme die Straßenbahn gerade. So fuhren wir schwarz! Wir, also vor allem Ewald, der ja nicht einmal das Finanzamt betrügt, fuhren drei Stationen weit ohne Fahrschein!!!! Es war ein Tag der Unglaublichkeiten. Leider drehten unsere Hunde in der Straßenbahn ziemlich durch, schließlich waren sie so was ja überhaupt nicht gewöhnt. Und wir waren zwischen Koffern, Rucksäcken und Tüten auch leider nicht in der Lage uns ihnen entsprechend zu zuwenden. Nun ja, frei nach Tucholsky: Unsere Hunde machen keinen Lärm, sie bellen nur, überstanden wir, freundlich-entschuldigend nach allen Seiten lächelnd, auch diese Situation. Aber wir fanden schnell das Hotel, bekamen ein wunderschönes, großes Apartment und konnten uns dann erst einmal mit einen kleinen Schläfchen stärken. Gut drei Stunden später beschlossen wir, jetzt das Auto zu holen, auszupacken und dann wieder auf den Parkplatz zurück zu bringen; es war schon dunkel und die Sperrung bestimmt aufgehoben. Wieder an der Straßenbahn erklärte uns ein freundliches Ehepaar diesmal den Computer, den man durch ein einfaches doppeltes Drauf-Tippen zum Arbeiten bringt. Erstaunlicherweise genauso wie unsere Handys! Aber wir nahmen gleich eine 10er-Karte, um von dem Teil wirklich nicht mehr abhängig zu sein. Die Hunde wurden auf den Schoss genommen und so waren sie bereit, auch die Straßenbahn zu ertragen. Aber die Stimmung in der Straßenbahn war seltsam, es war sehr viel gelb-schwarz zu sehen und Ewald erklärte mir, dass Dynamo Dresden heute Abend spielen würde. So weit für mich kein Problem! Schwierig wurde es erst, als die gesamte Straßenbahn mit uns zusammen ausstieg und sich Richtung Parkplatz mit uns auf den Weg machte. Unser Parkplatz war leider zum Stadion gehörig und deswegen zu diesem Zeitpunkt schon völlig überfüllt.Uns wurde klar: Wenn wir jetzt unsere Auto wegfahren, bekommen wir hier in der Gegend nie wieder einen Parkplatz, also zumindest nicht am heutigen Abend. Also, wir packten die restlichen Sachen zusammen, ließen unser Auto, wo es war, und nahmen wieder die Straßenbahn zum Hotel. Ein Glück, dass wir genügend Fahrscheine hatten! Danach war es schon 20 Uhr und wir so fertig, dass wir nicht einmal mehr Essen gehen konnten. Glücklicherweise hatten wir genügend Brot und Belag für die Frühstücke dabei und vor allem …… eine Flasche Frexeneit. Wenn nichts mehr hilft, rettet die einen zumindest noch bis zum Bett. Das war ein Tag!!!!